Suche
  • Marcel Janker

Vereinsland Deutschland – und dieser Gründer profititiert davon

Aktualisiert: Okt 15


(Alexander Adams CEO LuckyShot GmbH)



Kurzporträt. Das Berliner Startup Campai will Vereinen helfen, den Überblick über Mitglieder und Finanzen zu behalten. Der Schweizer VC Btov Partners glaubt an das Konzept


Campai-Gründer Alexander Adam (33)


Mehr als 600.000 Vereine gibt es in Deutschland, vom Tennis- über den Hundesport- bis zum Kleingartenverein. Jeder zweite Deutsche ist in einem dieser Vereine angemeldet – Tendenz steigend, wie eine Bertelsmann-Studie von 2017 ergab. Der Markt für Alexander Adams Startup ist also groß: Er bietet mit CampaiSoftware an, die Vereinen helfen soll, den Überblick über Mitglieder, Finanzen und Events zu behalten.  



„Ich war selbst in mehreren Vereinen. Die Software, die dort verwendet wird, ist gefühlt 30 Jahre alt“, sagt Adam. Die Clubs hätten über sämtliche Vereinsdaten Excel-Listen geführt, ohne Struktur oder Auswertung. Das wollte Adam ändern – und scheiterte zunächst: Seine erste Version eines digitalen Vereinsmanagement-Systems, „Interclub“, startete er schon 2016. „Da bin ich ein bisschen fehlgeschlagen“, gibt er zu. Eigentlich sei diese Software nichts anderes als eine Sammlung von Listen gewesen, bloß gebündelt an einem Ort – also genau das, was er eigentlich hatte vermeiden wollen.



Nun also Versuch Nummer zwei: Campai. Bei der neuen Software, die seit Dezember 2017 auf dem Markt ist, müsse keine einzige Liste mehr geführt werden, sagt Adam. Nutzer stellen lediglich die Mitgliedsverträge ein, die Software liest aus ihnen Kennzahlen wie das Alter der Mitglieder, ihr Geschlecht, ihre Abteilung und ihr Eintrittsdatum heraus. Außerdem unterstützt die Anwendung mit einem integrierten Buchhaltungssystem bei den Finanzen. Mitgliedsbeiträge zieht die Software automatisch ein und versendet im Bedarfsfall auch Mahnungen. Zusätzlich bekommen die Nutzer eine App, über die die Vereinsmitglieder kommunizieren können. Auf demselben Markt bewegen sich etwa auch Clubdesk und Easyverein.


Vereine brauchen Starthilfe


Die Vereine – oft sind es jahrzehntealte Organisationen – dazu zu bewegen, eine solche Software zu verwenden, sei eine vergleichsweise kleine Hürde, sagt Adam: Sie wüssten durchaus, dass sie sich digitalisieren müssten und seien daher offen für neue Ideen. Schwieriger sei dagegen die Implementierung der Software: „Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass die Vereine die Software selbst installieren. Das hat aber nicht funktioniert.“


Zwar hätten sich pro Tag 90 bis 120 Vereine bei Campai online registriert, doch so gut wie keiner habe das Tool letztendlich auch verwendet. Das Problem: „Sie wussten nicht, wie sie die vorhandenen Daten in die Software bringen sollten“, so Adam. Jetzt übernehmen die insgesamt 26 Campai-Mitarbeiter die Datenmigration für Neukunden. „Seit wir das machen, bleiben von zehn neu registrierten Vereinen auch zehn aktive Nutzer“, so der 33-Jährige, der vorher die Design-Software Gravitentwickelt hat.



Volocopter-Investor beteiligt sich  


Geld verdienen will Campai, indem es zwei bis drei Prozent der über die Software abgewickelten Rechnungsbeträge einbehält. Außerdem hat das Startup eine Finanzierungsrunde abgeschlossen: Der Schweizer Wagniskapitalgeber Btov Partners, der etwa auch an Outfittery und Volocopter beteiligt ist, sowie eine Schweizer Versicherungsgesellschaft investierten über ein Wandeldarlehen rund eine Million Euro in Campai.



Derzeit nutzten 6.000 Vereine seine Software, sagt Adam. Darunter nicht nur Sport-, sondern auch Mieter- oder Tierschutzvereine – und der Berliner Cannabisverband. Neue Nutzer soll die Übernahme des Sportteam-Organisationstools Sportmick bringen: Vorigen Monat kaufte Campai das Berliner Startup für einen Betrag „im unteren sechsstelligen Bereich“. Die 20.000 aktiven Sportmick-Nutzer würden nach Abschluss der Übernahme zur Campai-App migriert, sagt Adam.


Zudem hoffe er, durch die Zusammenarbeit mit großen Verbänden neue Nutzer zu gewinnen. Derzeit schließe man Kooperationen mit dem Landessportbund Sachsen sowie dem Niedersächsischen Turnerbund ab. „Wenn wir die großen Vereine für uns gewonnen haben, wird Campai ein Selbstläufer“, glaubt Adam. Bis Ende 2019 möchte er 15.000 Vereine von Campai überzeugt haben, in drei Jahren sollen es 100.000 sein.




https://www.gruenderszene.de/technologie/campai-vereins-software

1 Ansicht

Groß Holding

© Copyright 2020 Groß Holding  GmbH